Kaum ein Insekt verbindet Kraft, Ausdauer und Intelligenz so eindrucksvoll wie die Hummel. Oft wirken die pelzigen Brummer schwerfällig, doch in Wahrheit zählen sie zu den effektivsten Bestäubern unserer Landschaft. Ohne sie wären viele Wild- und Kulturpflanzen in ihrer Existenz bedroht. Gerade im zeitigen Frühjahr übernehmen Hummeln eine Schlüsselrolle, wenn andere Insekten noch nicht aktiv sind.
Fliegen bei Kälte – Hummeln sind biologische Wunder
Schon an milden Tagen im Spätwinter taucht die erste Hummelkönigin auf. Sie hat den Winter allein im Boden, unter Wurzeln oder in Mauerspalten überstanden und beginnt nun ihre Mission: Nahrung finden und ein neues Volk gründen. Auf der Suche nach einem geschützten Unterschlupf inspiziert sie Erdlöcher, alte Mäusenester oder Hohlräume in Gebäuden. Ist ein geeigneter Platz gefunden, legt sie ihre ersten Eier ab und versorgt die Larven eigenständig, bis die ersten Arbeiterinnen schlüpfen.
Hummeln besitzen eine bemerkenswerte Fähigkeit: Sie können selbst bei niedrigen Temperaturen fliegen. Möglich wird das durch ein aktives Aufwärmen ihrer Flugmuskulatur. Durch schnelles Zittern erzeugen sie Wärme und erreichen so die nötige Betriebstemperatur. Diese Anpassung erlaubt ihnen, Blüten zu bestäuben, wenn andere Bestäuber noch bewegungslos verharren.
Um Energie zu sparen, arbeiten Hummeln äußerst effizient. Bereits abgeerntete Blüten meiden sie konsequent und kennzeichnen diese mit Duftstoffen. So verhindern sie unnötige Flüge und sparen wertvolle Kraftreserven.
Orientierung, Gedächtnis und Lernfähigkeit der Hummel
Hummeln verfügen über ein erstaunliches Orientierungsvermögen. Sie erkennen markante Landschaftsmerkmale, merken sich ergiebige Blütenstandorte und finden zuverlässig zu ihrem Nest zurück. Zusätzlich nutzen sie das Erdmagnetfeld als Navigationshilfe – sogar bei schlechten Lichtverhältnissen.
Noch faszinierender ist ihre Lernfähigkeit: Hummeln beobachten Artgenossen, übernehmen erfolgreiche Strategien und passen ihr Verhalten flexibel an. Diese soziale Intelligenz könnte ihnen helfen, sich besser an veränderte Umweltbedingungen und den Klimawandel anzupassen.
Vielfalt unter den pelzigen Bestäubern
Viele Pflanzen sind auf die Hummel spezialisiert. Besonders effektiv sind sie beim sogenannten Vibrationssammeln. Durch schnelle Vibrationen ihrer Brustmuskulatur lösen sie Pollen aus tief sitzenden Staubbeuteln, etwa wie beim Fingerhut. Diese Technik führt zu einer deutlich höheren Bestäubungsleistung. Studien zeigen, dass von Hummeln bestäubte Pflanzen oft kräftiger wachsen, größere Blüten bilden und einen stabileren Genpool entwickeln. Dies kommt dir also auch in deinem Gemüsegarten zugute.
Überraschend ist auch eine neuere Beobachtung aus der Forschung: In Zeiten knapper Blüten können Hummeln durch gezieltes Anbeißen von Pflanzenblättern eine frühere Blütenbildung auslösen – ein beeindruckendes Beispiel für ihre Anpassungsfähigkeit.
Nicht alle Hummelarten leben gleich. Während Arten wie die Ackerhummel Staaten mit bis zu 150 Tieren bilden, verzichten Kuckuckshummeln vollständig auf eigene Nester. Sie schleusen ihre Eier in fremde Hummelvölker ein und machen ihrem Namensgeber damit alle Ehre. Viele Arten besitzen unterschiedlich lange Rüssel, wodurch sie verschiedene Blütenformen nutzen können. Rund 60 Prozent der von Hummeln besuchten Pflanzen gehören zu den Hülsenfrüchtlern wie Rot- oder Hornklee.
Der Garten als Rettungsinsel für die Hummel
Ein naturnaher Garten kann für Hummeln überlebenswichtig sein. Frühblüher wie Weidenkätzchen, Obstbäume, Krokusse oder Traubenhyazinthen liefern dringend benötigte Energie. Später im Jahr sichern Pflanzen wie Phacelia, Sonnenblumen, Natternkopf, Flockenblumen, Weiß- und Rotklee das Nahrungsangebot.
Besonders wichtig: ein ungemähter Rasen. Wildkräuter wie Löwenzahn oder Taubnessel bieten reichlich Nektar und Pollen. Hummeln bevorzugen zudem blaue und rote Blüten, da sie ultraviolettes Licht wahrnehmen und Blütenmuster erkennen können, die ihnen den Weg zum Nektar weisen.
Unsere Streuobstwiesen sind damit ein toller Lebensraum für die heimische Hummel. Klimawiese baut Streuobstwiesen auf und schafft somit einen Lebensraum für Insekten und Kleintiere. Du kannst uns mit einer Blühpatenschaft unterstützen.
Friedliche Nachbarn mit großer Wirkung
Ein Hummelnest im Garten ist kein Grund zur Sorge – im Gegenteil. Hummeln sind äußerst friedfertig und stechen nur in äußerster Not. Je nach Art nisten sie unterirdisch oder oberirdisch, etwa in alten Mäusebauten oder Vogelnistkästen. Strukturreiche Gärten erhöhen die Überlebenschancen deutlich, du kannst dir aber auch spezielle Nisthilfen selbst bauen. Hier können wir die Bauanleitung von Aktion Hummelschutz empfehlen.
Am Ende des Jahres stirbt das Volk ab. Nur die jungen Königinnen überleben, paaren sich und ziehen sich für den Winter zurück. Wer ihnen heute Lebensraum bietet, trägt aktiv zum Erhalt dieser unverzichtbaren Bestäuber bei.